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Der „Faktor Mensch“

Dem letzten der oben aufgeführten Punkte, nämlich dem „Faktor Mensch“ wurde bei bisherigen bemannten Programmen wenig Aufmerksamkeit geschenkt. Für die SPACELAB, MIR und ISS Missionen, bei denen Astronauten zwischen einer Woche und bis zu einem Jahr im Weltraum waren, waren die bewährten, auf militärischer Ausbildung beruhenden Auswahl- und Trainingsmethoden auch ausreichend. Die beschränkten sich weitgehend auf

  • die Sicherstellung der körperlichen Gesundheit zukünftiger Astronauten
  • ihre Belastungsfähigkeit unter Stress
  • ein allgemeines Astronautentraining
  • das Training für ihre speziellen Aufgaben
  • das Aushalten von physischer Belastung
  • Reaktionsfähigkeit auf unvorgesehene technische Probleme
  • technisches Verständnis
  • Geschicklichkeit
  • Kommunikationsfähigkeit
  • allgemeine Persönlichkeitstests, soweit das mit Befragungen und einigen standardisierten, am Zusammenleben auf der Erde orientierten psychologischen Tests feststellbar ist

Mars Desert Research Station MDRS Ausflug nach draußen (Quelle: Mars Society)
Mars Desert Research Station MDRS Ausflug nach draußen (Quelle: Mars Society)

Weiter gehende Untersuchungen zum „Faktor Mensch“ wurden nicht gemacht und waren wohl auch nicht erforderlich wegen der für den „Faktor Mensch“ relativ günstigen Gegebenheiten der bisherigen Missionen:

  • die Erde war immerhin noch in „Reichweite“ und Interventionen von der Erde aus daher in vielen möglichen Szenarien möglich, selbst bei den APOLLO Missionen erschien die Erde noch in Reichweite, wie sich ja auch bei der gelungenen Rettung der Mannschaft von APOLLO 13 zeigte
  • bei länger andauernden Aufenthalten auf einer Raumstation kam alle paar Monate ein Versorgungsfahrzeug zur Station und Mannschaftsmitglider wurden ausgetauscht. Das sind nicht zu unterschätzende psychologisch stützende Faktoren
  • bei der Kürze der Missionen bzw. der Nähe der Erde waren besondere medizinische Gesundheitsvorkehrungen für unvorhergesehene Fälle nicht erforderlich. Es reichte aus, vor dem Start einen guten Gesundheitszustand festzustellen und im Notfall, bei länger dauernden Missionen, ein außerplanmäßiges Zurückholen eines kranken Astronauten zur Erde vorzusehen
  • bei Verhaltensstörungen und psychologischen Problemen konnte in Echtzeit vom Boden aus Hilfestellung geleistet werden. Tatsächlich traten solche Probleme auf, wurden aber weitestgehend „unter der Decke“ gehalten, da dadurch keine der Öffentlichkeit bemerkbare Beeinträchtigung der Mission stattfand
  • selbst bei Langzeitaufenthalten auf der MIR und ISS waren niemals alle Astronauten gleichzeitig zu einem so langen Zeitraum auf der Station, es gab also immer relativ „frische“ Besatzungsmitglieder, die ausgleichend einwirken konnten

Unterschiede zwischen bemannten Marsmissionen und bisherigen bemannten Missionen

Selbst eine bemannte Mondmission, wie sie bislang von der NASA geplant war, unterscheidet sich in den Anforderungen an den Menschen nicht wesentlich von bisherigen bemannten Missionen, da der Mond immer noch „in Reichweite“ der Erde bleibt.
Anders ist es bei Marsmissionen. Die unterscheiden sich in wesentlichen für die beteiligten Astronauten sehr wichtigen Punkten von bisherigen und der geplanten Mondmission:

  • die Mission dauert wenigstens zwei Jahre. Während dieses Zeitraums ist die Mannschaft völlig auf sich allein gestellt
  • die Erde ist nicht mehr in Reichweite. Eine Intervention von der Erde aus in Notfällen ist während der gesamten Missionsdauer nicht möglich, eine Umkehr ist ebenfalls nicht vorstellbar angesichts des dafür erforderlichen technischen Aufwands
  • eine Versorgung von der Erde aus ist nicht möglich. Alles, was während der Mission  und in außergewöhnlichen oder Notfällen benötigt wird, muss mitgenommen werden.
  • die Aufenthaltsdauer auf dem Mars beträgt, bedingt durch die Himmelsmechanik und Gewichtsbeschränkungen der Raumfahrzeuge, ungefähr ein Jahr. Es könnte schwierig werden, für diesen ganzen Zeitraum eine wirklich sinnvoll erscheinende Beschäftigung für die Mannschaft zu definieren. Das hängt von den mitgebrachten bzw. schon vorher dorthin geschafften Einrichtungen ab wie etwa Transportfahrzeugen, Labors, Gewächshäuser. Ein Billardtisch wird wohl kaum dabei sein
  • die Mannschaft muss während der langen Reisezeit zum Mars sinnvoll beschäftigt werden. Dazu müssten noch zusätzlich zu den eigentlichen Zielen der Marsmission Einrichtungen und Geräte mitgenommen werden
  • Einrichtungen zum Schutz der Mannschaft gegen Weltraumstrahlung während des Flugs zum Mars
  • alle etwaigen Gesundheitsprobleme müssen von der Mannschaft selbst gelöst werden. Unterstützung von der Erde aus beschränkt sich auf die –zeitverzögerte- Analyse von übermittelten Daten und einer Diagnose mit Vorschlägen zur Heilung mit Bordmitteln
  • der soziale Aspekt bekommt eine ungleich größere Bedeutung als bei allen bisherigen bemannten Missionen
  • die maximale Mannschaftsstärke beträgt etwa 6 Astronauten und ist bestimmt durch den vertretbaren technischen Aufwand. Das ist nicht im Einklang mit gruppendynamischen Erkenntnissen, die zu einer kritischen minimalen Mannschaftsgröße von etwa 14 Personen, am besten Frauen und Männer gemischt, tendieren. Bei einer kleineren Anzahl sieht zwei Jahre lang jeder immer nur „die gleichen Gesichter“, zwischenmenschliche Konflikte sind schwieriger oder überhaupt nicht zu lösen
  • die relative –durch Beschränkung der Nutzlast zum Mars eingeschränkte- Enge des Wohnbereichs ist für Menschen ungewohnt, da es ja sozusagen „kein Entkommen gibt“
  • die Mannschaft muss weitgehend selbst etwaigen psychologischen Problemen von Mannschaftsmitgliedern begegnen. Von der Erde aus können bestenfalls Hinweise und Ratschläge gegeben werden, wenn qualifizierte Hinweise aus der Mannschaft selbst gegeben werden können. Wie soll das aussehen?
  • Die Mannschaft muss aufgrund ihrer Unzugänglichkeit von der Erde aus einen viel größeren Entscheidungsspielraum und –Kompetenzen haben, als das in erdnahen Missionen der Fall ist

Ernährung

Bei Langzeitmissionen spielen Ernährungsfragen in weit höherem Maße eine Rolle als bei kürzeren Missionsdauern. Erfahrungen in diesem Bereich hat die NASA schon mit dem ISS-Programm sammeln können. Allerdings wird eine Marsmission mindestens sechsmal länger dauern als die gewöhnlich auf sechs Monate begrenzten Aufenthalte an Bord der ISS.

Die Ernährung der Mannschaft muss für eine Marsmission gleichzeitig auf die besonderen Lebens- und Arbeitsbedingungen unter Schwerelosigkeit bzw. reduzierter Schwerkraft ausgerichtet werden und daher besonders ausgewogen sein in Bezug auf ihren Nährwert und alle sonstigen für den Organismus erforderlichen Inhalte. Auch die Zubereitung der Nahrung verläuft anders: Kochen im herkömmlichen Sinn ist nicht möglich bzw. verläuft anders. Schliesslich muss auch die Einhaltung des für jedes einzelne Mitglied der Mannschaft optimalen Körpergewichts berücksichtigt werden. Art und Menge der Nahrung müssen so auf jedes einzelne Mitglied der Mannschaft abgestimmt sein, dass der Kreislauf nicht, wie es häufig auf der Erde geschieht, mit Diäten mit wechselndem Zunehmen und Abnehmen belastet wird. Auch das Geschmacksempfinden ist verändert und damit die Zutaten, die erforderlich sind, damit "das Essen auch schmeckt".

 

Zusammenstellung der Mannschaft

Es ist unklar ob, wie und bei welcher Zusammensetzung einer Mannschaft Menschen mit diesen Gegebenheiten fertig werden. Zu einer Reihe von Fragen müssen Antworten gefunden werden:

  1. wie verträgt der Mensch lange Isolation bei der Gewissheit, mindestens zwei Jahre lang keinerlei Alternativen zu besitzen?
  2. wie können Menschen mit Unterschieden in Herkunft, Vorstellungen, Angewohnheiten, Bildungshintergründen, Sozialisierungen über einen so langen Zeitraum miteinander auskommen?
  3. wie wirken sich unterschiedliche Vorstellungen über Hygiene, Moral, Sexualität, Lebensanschauungen, politische Ansichten, kulturelle Interessen bei länger andauerndem Zusammenleben aus?
  4. wie weit sind bisherige gruppendynamische Experimente und Untersuchungen an geschlossenen Gruppe auf der Erde relevant für eine Langzeitmission? Problemlösungen durch Änderung der Gruppenzusammensetzung sind ja auf dem Mars nicht möglich
  5. wie steht es mit der Hierarchie in der Gruppe?. Kann eine anfangs eventuell akzeptierte Hierarchie über zwei Jahre beibehalten werden. Wenn nein, was sind die Prozesse, die eine von allen akzeptierte neue Hierarchie herstellen?
  6. wie kann den Folgen von Sympathien und Antipathien zwischen Mannschaftsmitgliedern begegnet werden? Da sind mit Sicherheit Änderungen während der Dauer der Mission zu erwarten.
  7. was geschieht, wenn ein Mannschaftsmitglied krank, pflegebedürftig, psychotisch wird?
  8. Wird ein Psychologe mit in der Mannschaft sein? Und wenn ja, kann der nicht selbst Probleme bekommen?
  9. was ist zu tun, wenn eine aus psychologischer und sozialer Sicht optimale Mannschaftsstärke nicht möglich ist? Die Frage der Mannschaftsstärke wurde bisher nur von den Technikern und Missionsplanern beantwortet mit „4 bis 6“ basierend auf den sinnvoll erreichbaren Transport- und Unterbringungskapazitäten. Also keinerlei Berücksichtigung des „Faktors Mensch“.

Sicher gibt es noch weitere Aspekte im Bereich des „Faktors Mensch“, die vor einer so langen Mission zu klären wären.
Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass weitere Untersuchungen zur Forderung einer größeren Mannschaftsstärke führen, die eine Marsmission wesentlich komplizieren und verteuern würde.

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Colegiul National Iasi    
Die neuen Mitglieder der Mars Society Deutschland haben im Rahmen ihres Next Generation Projekts eine englischsprachige Website zu Themen wie Mars und Mars Express fertig gestellt. Das Programm ist eine Zusammenarbeit zwischen der Mars Society Deutschland und dem Colegiul National Iasi und wird vom Mars Express Flight Control Team der ESA unterstützt.

Wir danken Andrei Hodorog für die Erstellung der Internet Seiten!
 
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Der Newsletter der Mars Society ist in der 21. Ausgabe erschienen. Im neuen Newsletter dreht sich diesmal alles um die MIRIAM-Testkampagne, mit der Ende vergangenen Jahres der Eintritt eines Mars-Ballons im erdnahmen Weltraum über Nord-Schweden getestet wurde. Zu dieser Mission wird es nun eine Fortsetzung geben, genannt MIRIAM 2

Weitere Themen sind das neue Schulprojekt der MSD sowie der Dritte Teil unseres Mars-Paternoster-Berichts. Dr. Georg Bechtold stellt darin eine innovative Möglichkeit vor, den Mars über eine Paternoster-Bahn zu erreichen. Zum Lesen wird der Adobe Reader benötigt.
 

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