Der Mars im Teleskop
Einen rasanten Aufschwung nahm die Erforschung des roten Planeten mit der Erfindung des Teleskops im Jahre 1608 durch den Niederländer Hans Liperskeley. Zum Ende des Jahres 1609 richtete dann zum ersten Mal ein Mensch ein Teleskop auf den Mars. Es war der italienische Gelehrte Galileo Galilei (1564-1642). Er erkannte, dass Mars im Unterschied zu den punktförmigen Fixsternen als kleine runde Scheibe erschien.
Mit immer besser werdenden Teleskopen fanden Wissenschaftler bald Einzelheiten über unseren roten Nachbarn heraus. Christian Huyghens (1629-1695) entdeckte eine dunkle, dreieckige Zone (Syrtis Major) auf der Marsoberfläche. Aus deren Positionsveränderungen errechnete er die Eigenrotation des Mars von rund 24,5 Stunden (heutiger Wert: 24,623 h) und erkannte, dass die Polachse um 25,19° gegenüber der Vertikalen geneigt ist. Wilhelm Herschel entdeckte 1784 die eisbedeckten Polkappen des Mars. Fast 50 Jahre später, 1830 erstellte der deutsche Astronom Wilhelm Beer die erste Marskarte, wobei er die dunklen Flecken auf der Marsoberfläche als Gewässer und die hellen Regionen als Landmassen interpretierte. Schon in 18. Jahrhundert hatten die Beobachter am Kommen und Gehen der dunklen Flecken erkannt, dass der Mars rotiert und ein Marstag nur etwa 40 Minuten länger dauert als ein Erdentag. Es schien auch, als ob sich die Farbe der Flecken im Verlauf eines Marsjahres verändern würde. Dazu schrumpften und wuchsen die weißen Polkappen im gleichen Rhythmus. Eis an den Polen, Schneeschmelze im Frühjahr, zum Teil auch grünliche Gebiete, die an Vegetation erinnerten und mit den Jahreszeiten ihr Aussehen änderten. Dies alles erschien den frühen Beobachtern vertraut. Da der Mars um seine Achse rotiert und einem Beobachter somit alle seine Seiten zeigt, lag es nahe, eine Marskarte zu entwerfen. Giovanni Schiaparelli, der Direktor der Mailänder Sternwarte, nutzte die sehr starke Annäherung von Mars und Erde im Jahr 1877 für dieses Unterfangen und erstellte eine neue Marskarte, die sich hinsichtlich ihrer Genauigkeit und des Detailreichtums von allen anderen bisherigen grundlegend unterschied und für die nächsten beinahe hundert Jahre maßgebend sein sollte.
Die Marskarte von Giovanni Schiaparelli
Schiaparelli glaubte, feine Linien zu erkennen, welche die großen dunklen Flecken, die schon damals als Gewässer gedeutet wurden, miteinander zu verbinden schienen. Er nannte diese Linien Canali. Das Wort Canali steht in der italienischen Sprache jedoch ebenso für natürliche Gewässer wie auch für künstliche Wasserwege. Letztlich sollte sich die zweite Interpretation für lange Zeit durchsetzen.
Dass es die Marskanäle tatsächlich nicht gibt, wurde mit absoluter Sicherheit erst im Jahr 1965 bewiesen. Damals flog die amerikanische Raumsonde Mariner 4 in einer Entfernung von 10000 Kilometern am Mars vorbei und übermittelte die ersten 22 schwarzweiß Fotos von der Marsoberfläche zur Erde. Damit begann ein neues Zeitalter der visuellen Beobachtung des Planeten Mars. Mariner 4 übermittelte im Juni 1965 die ersten Nahaufnahmen einer fremden, mit Kratern übersäten Welt mit einer Auflösung, wie sie selbst mit den größten damaligen erdgebundenen Teleskopen nicht erreichbar war.
Mit den orbitalen Kameras der Viking Sonden konnte die Marsoberfläche dann schon mit einer Auflösung von 100 Metern abgebildet werden. Der Mars Observer kartierte die Marsoberfläche bereits mit einer Auflösung von 1 Meter. Vom September 2006 an lieferte die HiRISE-Kamera (High Resolution Imaging Science Experiment) an Bord des Mars Reconnaissance Orbiter Aufnahmen der Marsoberfläche mit einer Auflösung von sogar nur 30 Zentimeter aus eienr Höhe von 300 Kilometern. Bei der HiRISE-Kamera handelt es sich eigentlich um ein Spiegelteleskop mit einem Spiegeldurchmesser von 50 cm. Damit ist es das größte Teleskop, das bisher je an Bord einer Tiefraummission installiert wurde.
Die HiRISE-Kamera des Mars Reconnaissance Orbiters
Heute ist der Mars eher ein lohnenswertes Objekt für Amateurastronomen. Große erdgebundene Observatorien, deren teure Beobachtungszeit nach der strengen wissenschaftlichen Evaluierung entsprechender Anträge verteilt wird, widmen sich fast durchgehend anspruchsvolleren Beobachtungsobjekten - auch deshalb, da sie ohnehin mit Qualität und Auflösung der Aufnahmen orbitaler Teleskope (z.B. HiRISE) nicht konkurrieren können.
Andererseits haben die Möglichkeiten zur Beobachtung und zur Fotografie des Roten Planeten durch Amateurastronomen mit der Digitalisierung und der Verfügbarkeit immer leistungsfähigerer CCD-Sensoren überaus große Fortschritte gemacht. Insbesondere auch durch die digitale Nachbearbeitung (wie die Verminderung des Sensorrauschens und das Mindern der störenden Luftunruhe durch das Mitteln mehrerer nacheinander aufgenommener Einzelbilder) sind inzwischen Amateurfotografien des Mars möglich, wie sie früher nur Sternwarten vorbehalten waren.
Von der Mars-begeisterten Gemeinde im Amateurbereich werden daher die nächsten Mars-Oppositionen am 3.März 2012 (minimaler Abstand Erde-Mars: 100,78 Mio. km), am 8.April 2014 (92,39 Mio. km), am 22.Mai 2016 (75,28 Mio. km) und insbesondere am 27.Juli 2018 (nur 57,59 Mio. km) mit Spannung erwartet.


