Schlussfolgerung für bemannte Marsmissionen.
Zusammenfassend kann festgehalten werden:
- fundierte Erfahrungen bestehen nicht, die das Funktionieren einer Gruppe von Astronauten unter den besonderen Bedingungen einer Marsmission belegen könnten
- die Übertragung von diesbezüglichen bisherigen Erfahrungen aus Untersuchungen auf der Erde auf die Bedingungen einer Marsmission ist fragwürdig
- Langzeitversuche mit simulierten Marsmannschaften über vergleichbare Dauer und unter mit dem Mars vergleichbaren Bedingungen fehlen bisher weitgehend. Erste Langzeitversuche in Moskau haben aber bereits die Möglichkeit schwerwiegender gruppendynamischer Probleme aufgezeigt
- Die bisher festgelegte Mannschaftsstärke von 6 bis 7 könnte sich als nicht ausreichend erweisen
- bisherige länger andauernde Versuche mit Mannschaften waren auf die zu verrichtenden Tätigkeiten und die Kommunikation mit dem Kontrollzentrum fokussiert, psychologische Aspekte wurden bestenfalls am Rand beachtet und bei der Auswertung gar nicht oder unterbewertet
- bisher haben eine einseitige Ausrichtung auf technisch-programmatische Anforderungen einer Marsmission, fehlende oder möglicherweise nicht relevante Erfahrungen und Konkurrenzdenken zwischen Disziplinen und Institutionen ein systematisches und umfassendes Programm zur Erforschung der für eine richtige Zusammensetzung einer Marsmannschaft erforderlichen Bedingungen verhindert.
Aspekte der Simulation im Bereich des „Faktors Mensch“
Test und Simulation aller Funktionen der an einer Marsmission beteiligten Raum- und Bodenelemente können auf den Erfahrungen mit bisherigen bemannten Systemen aufbauen. Das betrifft auch das Einbeziehen der Mannschaft, soweit es die von ihr auszuführenden Aktivitäten betrifft.
Anders sieht es mit der Simulation aus in Bereichen, die durch das individuelle Verhalten von Mitgliedern der Marsmannschaft bestimmt werden und für das Zusammenleben der Mannschaft wichtig sind. Langzeiteffekte wird man kaum in „kondensierter Form“ durchführen können, es müssen also Langzeituntersuchungen durchgeführt werden unter Marsbedingungen. Die Russen haben das als erste erkannt und eine Station in Moskau errichtet, die aber längst noch nicht den Bedingungen auf dem Mars nahe genug kommt.
Eine große Schwierigkeit stellt auch die Auswahl der Mannschaft für solche Versuche dar. Im Grunde müsste man mit vielen nach unterschiedlichen Gesichtspunkten ausgewählten Mannschaften vergleichende Tests machen. Bei Langzeituntersuchungen ist das ein langwieriges Unterfangen, dass sehr frühzeitig begonnen werden müsste.
Auch das Verhältnis zwischen Bodenpersonal (Missionskontrolle) und Marsmannschaft muss neu überdacht werden, da bei einer Marsmission die Marsmannschaft wesentlich mehr eigenen Entscheidungsspielraum benötigt als bei Missionen im nahen Weltraum und zum Mond.
Die „Mars Analog Research Stations“ (M.A.R.S.) der Mars Society
Immerhin ist aber von einigen Experten die Notwendigkeit erkannt worden, simulierte Marsmissionen mit begrenztem Aufgabenbereich und unter marsähnlichen Bedingungen in speziell dafür eingerichteten Stationen unter möglichst realistischen Marsbedingungen ausführen zu lassen. Einer der ersten war Robert Zubrin mit seinen Mars Analog Research Stations der Mars Society. Bisher gibt es zwei solcher Stationen, die in unterschiedlicher „marsähnlicher“ Umgebung von der Mars Society der USA aufgestellt wurden und operationell sind:
- FMARS (Flashline Mars Analog Research Station) in Kanada nahe dem Nordpol, Abb. 1, 2, 3
- MDRS (Mars Desert Research Station) in der Wüste in Utah. Abb. 4 und 5
Darüber hinaus sind zwei weitere Stationen geplant:
- Mars-Oz in Australien in marsähnlich trockener und einsamer Umgebung von der australischen Sektion der Mars Society
- EuroMars in Island, Abb.6, das von den europäischen Mars Society Sektionen als Gemeinschaftsprojekt in Planung ist
Es war das Bestreben der Mars Society, die Lebensbedingungen möglichst nahe an den Bedingungen auf dem Mars zu simulieren. Deshalb die Bezeichnung "Mars Analog Stationen".
Allen Stationen gemeinsam sind die Ziele der Simulationen, mit wechselnden Schwerpunkten für jede der Stationen:
- Durchführung von wissenschaftlichen Untersuchungen innerhalb und außerhalb der Station, die denen auf dem Mars nachempfunden sind. Dazu gehören die Gewinnung von Materialproben außerhalb der Station, auch aus größerer Entfernung, und deren Untersuchung mit den Laboreinrichtungen der Station. Die Materialproben werden in den Labors der Station untersucht. Die Wissenschaftler führen dazu oft eigene Instrumente, Spezial Brillen, Lupen und Werkzeuge in ihren Werkzeugtaschen mit.
- Isolation von der Außenwelt, Kontakte nur über Funk unter marsähnlichen Bedingungen (Qualität der Verbindungen, Zeitverzug bei der Übermittlung)
- mit Marsstationen vergleichbare räumliche Einschränkungen und Wohnbedingungen
- vollständige Autonomie der Station. Der Betrieb geschieht ausschließlich mit Bordmitteln.
- mit Marsmissionen vergleichbare Mannschaftsgröße
- arbeiten im Freien mit „Raumanzügen“, die die Simulation einer Reihe von Bedingungen entsprechen, wie sie auf dem Mars vorzufinden sind wie zum Beispiel
o eingeschränkte Sicht durch einen Helm
o durch den Anzug eingeschränkte Bewegungsfreiheit
o Kommunikation über Funk
o extreme Außentemperaturen
o körperliche Anstrengung
- ausschließlicher Einsatz von vorhandenen Hilfsmitteln, Werkzeugen und wissenschaftlichen Einrichtungen
- Erprobung von Mars Rovern und Kommunikationsmitteln zur Unterstützung von wissenschaftlichen Untersuchungen außerhalb der Station
- Missionsdauern betragen von einigen Wochen (MDRS) bis zu vier Monaten (FMARS Mission 2007)
- Genaue Planung des Tagesablaufs jeden Mannschaftsmitglieds ähnlich einer Marsmission
- Protokollierung aller Tätigkeiten, Untersuchungsergebnisse, Vorkommnisse und Anomalien
- Laufende Berichterstattung über das Leben auf einer Station während einer Mission über das Internet berichtet an eine simulierte Bodenstation, wobei die Signalverzögerung simuliert wird
- Ausführliche Berichte und Analysen jeder Mission, die ausgewertet werden können als Basis für künftige Missionen


