Mit Obelix zum Roten Planeten
Die beiden Taxis koppeln etwa drei Tage nach dem Verlassen der Erdumlaufbahn mit Obelix und die vier Astronauten wechseln von den spartanischen Taxis in die geräumigere Kabine von Obelix über. Nach weiteren zwei oder drei Tagen sind die Lebenserhaltungssysteme von Obelix aktiviert und die Routine beginnt.
Während den acht Monaten, die die Astronauten in Obelix zu Gast sind, wird die Hauptaufgabe sein, die Lebenserhaltungssysteme von Obelix in Gang zu halten, Sport zu treiben, um den Einflüssen der Schwerelosigkeit des langen Fluges auf die Gesundheit der Astronauten in Schach zu halten, sowie Navigation und Kommunikation mit der Erde.
Die Lebenshaltungssysteme bestehen im Wesentlichen aus der Wasser- und aus der Atemluftaufbereitung. Trinkwasser wird zum größten Teil frisch mitgeführt. Das Wasser zum Waschen wird jedoch aus bereits verwendetem Waschwasser, aufbereitetem Urin und aus Kondenswasser gewonnen. Ausgeatmetes Kohlendioxid wird in einem mehrstufigen chemischen Prozess in wieder zu verwendenden Sauerstoff und Kohlenstoff umgewandelt, der als Abfallprodukt des Prozesses übrig bleibt. Des Weiteren wird Sauerstoff aus Schmutzwasser gewonnen (mit Wasserstoff als Abfallprodukt) und Stickstoff aus Urin. Alle diese Anlagen müssen tadellos laufen und von den Astronauten ständig überwacht und in Schuss gehalten werden.
Sport wird ein großer Teil des Lebens der Astronauten bestimmen. Ein Ruder-, ein Fahrrad- und ein Laufsimulator sind an Bord. In Verbindung mit virtueller Realität werden sich die Astronauten für die Dauer des Trainings wie auf der Erde fühlen; beispielsweise kann im Ruderprogramm eine Fahrt über den Rhein, im Fahrradprogramm eine Fahrt durch die Alpen und im Laufprogramm ein Marathon durch Berlin nachgestellt werden.
Die Kommunikation mit der Erde wird ein gewisses Problem darstellen, bedingt durch die während des Hinfluges immer länger werdende Laufzeit der Signale. Surfen im Internet in Echtzeit ist unmöglich. Eine direkte Konversation ist ebenfalls nicht machbar. Einzig das Versenden von E-Mails wird quasi ähnlich verlaufen wie auf der Erde. Aufzurufende Webseiten müssen von den Astronauten eine deutliche Zeit im Voraus bestellt werden; am besten gleich inklusive aller Links bis zu einer gewissen Tiefe. Jedenfalls ist ein autarker Betrieb von Obelix notwendig, der nicht mit dem der Apollo-Missionen vergleichbar ist.
Der Flug geht zunächst in Richtung Sonne. Nach vier Wochen wird bereits die Venus-Bahn gekreuzt, nach weiteren vier Wochen ist die geringste Entfernung zur Sonne und beinahe die Merkur-Bahn erreicht. Vier Monate nach dem Verlassen der Erde wird die Erdbahn wieder durchflogen (die Erde ist zu diesem Zeitpunkt aber viele Millionen Kilometer entfernt), weitere vier Monate später, also nach insgesamt acht Monaten, die Marsbahn.
Falls die Mission zum Mars abgebrochen werden müsste, müssten die Astronauten nichts weiter unternehmen. In Obelix sind genug Versorgungsmittel; nach genau 12 Monaten ist wieder die Erdbahn erreicht und die Astronauten könnten die Rettungskapsel benutzen, um in die Erdatmosphäre einzudringen und so ihre Fahrt soweit abzubremsen, dass sie wieder vom Schwerefeld der Erden eingefangen werden.
Im Normalfalle aber werden die Astronauten ein paar Tage vor Erreichen der Marsbahn in ihre Taxis steigen und von Obelix abkoppeln. Mit relativ geringem Energieaufwand ändern sie ihren Kurs so, dass sie nicht wie Obelix knapp am Mars vorbei und dann wieder zurück zur Erde fallen, sondern so, dass sie die dünne Atmosphäre des Mars streifen. Die Relativgeschwindigkeit zum Mars ist hoch, sie beträgt etwa 7,7 km pro Sekunde. Die Reibung der Atmosphäre ist aber ausreichend, um die beiden Taxis so stark abzubremsen, dass sie zwar durch ihren hohen Schwung die Atmosphäre des Mars wieder verlassen, aber dennoch in seinem Schwerefeld gefangen bleiben. Nach etwa zwei Tagen fallen sie wieder zum Mars zurück und dringen ein zweites Mal in die Atmosphäre ein. Dadurch erfolgt eine weitere Abbremsung, die sie in einen niedrigen Orbit um den Mars, vielleicht in 300 km Höhe, führt. Mit eigenem Antrieb koppeln die beiden Kapseln dann mit Idefix, der Station im Marsorbit.
Idefix ähnelt Obelix, allerdings mit einer kleineren Kabine und ausgelegt auf nur einen sechswöchigen Aufenthalt von vier Astronauten. Gekoppelt an Idefix sind zwei Marslander und zwei Rückkehrstufen. Die Astronauten werden einige Tage damit beschäftigt sein, Idefix in Gang zu bringen und die Lander zu überprüfen. Dann kann für zwei der Astronauten der entscheidende Teil der Reise beginnen.
Sie besteigen wieder ihr Taxi und koppeln mit einem der beiden Lander, um sich danach wieder von Idefix zu lösen und in eine sichere Entfernung von ihm zu schweben. Dann wird das Bremstriebwerk des Landers entgegen der Flugrichtung gezündet und damit seine Relativgeschwindigkeit zum Mars so stark verringert, dass er in die dünne Atmosphäre eindringt. Diesmal ist der Schwung aber nicht mehr groß genug, die Atmosphäre wieder zu verlassen und der Lander sinkt immer tiefer. Bald ist die Geschwindigkeit so stark verringert, dass die Verkleidung abgesprengt wird und die Landefallschirme sich öffnen können. Die Relativgeschwindigkeit zur Marsoberfläche ist noch bei mehr als 1000 m/s, wird nun durch die Fallschirme aber bis auf 200 oder 100 m/s verringert, bevor die Schirme kaum noch wirken und folglich wieder abgeworfen werden. Die letzten Kilometer des Weges zur Marsoberfläche wird der Lander von seinen Landetriebwerken abgebremst, analog zur letzten Phase der Mondfähre vor der Mondlandung, bis zur weichen Landung an einer vorbestimmten Stelle auf dem Mars.
Den Astronauten verbleiben nun etwa zwei bis vier Wochen zur Erkundung des Mars. Die Astronauten füllen den Laderaum des Landers mit Steinen und Bodenproben. Möglicherweise wurde unweit der Landestelle bereits im Voraus ein Marsrover mit Lebenserhaltungssystemen gelandet, der den Astronauten zusätzlichen Lebensraum und Bewegungsmöglichkeiten geben würde. Überflüssig, zu erwähnen, dass dies die interessantesten Wochen der kompletten Reise sein werden.
Inzwischen ist vielleicht bereits das zweite Team mit den anderen beiden Astronauten an anderer Stelle auf dem Mars gelandet.
Wahrscheinlich viel zu bald ist aber die Rückreise zu Idefix in der Marsumlaufbahn fällig. Diese ist recht unspektakulär; es wird dafür, wieder analog zur früheren Mondmission, die Aufstiegsstufe des Landers verwendet. Nach kurzer Zeit haben die Astronauten wieder mit Idefix gekoppelt und können alle weiteren Vorbereitungen zur Rückreise treffen.
Ein oder zwei Wochen später sind auch die anderen beiden Astronauten zurück in Idefix. Nach sechs Wochen im Schwerefeld des Mars, also neuneinhalb Monate nach Verlassen der Erde, darf der Vorbeiflug von Asterix zur Rückkehr zur Erde nicht verpasst werden. Dazu werden die beiden Taxis mit ihren jeweiligen Laderäumen an die beiden Rückkehrstufen angekoppelt. Zur gleichen Zeit werden deren Triebwerke gezündet und das Schwerefeld des Mars mit einer Geschwindigkeit von 4,6 km/s verlassen. Nach ungefähr zwei Tagen Flug wird Asterix erreicht.
Asterix ist bereits seit zweieinhalb Jahren unterwegs. Er hat Versorgungsgüter an Bord, um die vier Astronauten für die verbleibenden sechs Monate Flugzeit am Leben zu erhalten. Seine Mannschaftskabine ist ähnlich der von Obelix, aber ein wenig kleiner. Er hat einen großen Hitzeschild, der gleichzeitig die Strahlung von der Sonne abschirmt.
Im Prinzip verläuft der Rückflug analog zum Hinflug. Allerdings mit dem Unterschied, dass dieser zwar kürzer ist, dafür aber ereignisloser. Die Näherung an die Erdbahn geschieht nur ganz langsam und die Geduld der Astronauten wird sicherlich auf eine harte Probe gestellt. Sie werden bald den ersten Jahrestag ihrer Abreise von der Erde feiern.
Irgendwann ist es dann aber endlich so weit, etwa 15 Monate nach dem Start von der Erde. Die Schutzschilder von Asterix werden geschlossen und der Kurs so korrigiert, dass die Erdatmosphäre so genau gestreift wird, dass Asterix vom Schwerefeld der Erde wieder eingefangen wird. Wahrscheinlich wird auch hier nach zwei oder drei Tagen ein weiterer Flug durch die Erdatmosphäre notwendig, um die Geschwindigkeit von Asterix so stark abzubremsen, dass ein niedriger Erdorbit erreicht wird, von wo die Astronauten dann in einem Raumschiff abgeholt werden können. Wieder auf der Erdoberfläche angekommen wird sich eine Quarantänezeit anschließen, bevor die Astronauten endlich wieder frische Luft schnappen können.


