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Folge dem Wasserstoff - Neue Diskussion um Leben auf Titan

 ESA/NASA/JPL/University of Arizona
ESA/NASA/JPL/University of Arizona
Peter Jansen
13.6.2010

Zwei neue wissenschatliche Studien spekulieren über das bislang Undenkbare: Leben auf dem Saturnmond Titan. Dabei gehen sie ganz wissenschaftliche der atmosphärischen Verteilung von Wasserstoff und Acetylen nach und kommen zu einem erstaunlichen Ergebnis.

Kann es Leben bei minus 180 Grad Celsius geben, auf einer fernen Welt, durch deren dichte Methanatmosphäre kaum ein Sonnestrahl dringt? Eine neue Studie kommt zu dem Schluss, dass Wasserstoff an der Oberfläche des Titan aus der Atmosphäre gewaschen wird. Dies widerspricht den gängigen Atmosphärenmodellen. Eine andere Studie im Journal of Geophysical Research stellt widmet sich dem Mangel an Acetylen auf dem von Kohlenwasserstoffen überfluteten Mond.

Schon lange ist bekannt, dass durch die Anwesenheit von Kohlenwasserstoffen auf dem Titan Bedingungen herrschen, die auf eine exotische Art und Weise, denen auf der Erde ähneln. Bei einer Umgebungstemperatur von minus 180 Grad Celsius, sind diese flüssig und sammeln sich in großen Seen an der Oberfläche. Wahrscheinlich regnen sie als Niederschlag auf den Mond herab. Titan ist nicht nur der zweitgrößte Mond im Sonnensystem, sonder auch der einzige mit einer Atmosphäre.

Jetzt vermuten Forscher wie Chris McKay vom Ames Forschungsinstitut der NASA, das das fehlende Acetylen vielleicht als Energiequelle einer noch unentdeckten Lebensform dienen könnte. Auf dem Saturn-Mond könnte Wasserstoff eine ähnliche Rolle für das Leben am Boden spielen, wie Sauerstoff auf der Erde. Anstelle von Wasser und Sauerstoff, die die Grundlage allen Lebens auf der Erde spielen, könnte das Leben auf Titan auf Wasserstoff und Kohlenwasserstoffen wie Acetylen und Methan basieren.

Natürlich gibt es alternative Erklärungsmöglichkeiten, und solange es noch keinen zweifelsfreien Beweis für die Existenz von Mikroorganismen auf dem Titan gibt, sollten abiologische Erklärungen den Vorzug bekommen. Die jetzt veröffentlichten Studien werten Daten der europäische-amerikanischen Cassini-Hygens-Sonde aus. Nach diesen Daten entsteht Wasserstoff in der Hochatmosphäre des Mondes, wahrscheinlich als Folge der Aufspaltung von Methan und Ethan unter Einfluss der kosmischen Strahlung und des Sonnenwindes. Doch offenbar wird der Wasserstoff in den oberflächennahen Atmosphärenschichten durch einen unbekannten Prozess absorbiert. Offenbar fließt der Wasserstoff von oben nach unten. Damit hatte niemand gerechnet.

Es ist jedoch unwahrscheinlich, dass das flüchtige Gas sich in irgendwelchen Höhlen ansammelt. Herkömmliche chemische Prozesse sind bei den niedrigen Temperaturen kaum zu vermuten. Molekularer Wasserstoff reagiert chemisch kaum und bei diesen Temperaturen erst recht nicht. Eigentlich sollte der sehr leichte Wasserstoff vom Boden aufsteigen und nach oben hin entweichen. Statt dessen passiert das Gegenteil. Vielleicht gibt es ein noch unbekanntes Mineral, dass chemische Prozesse als Katalysator trotz der eisigen Temperaturen beschleunigt. Solange dieses Mineral noch nicht gefunden ist, darf weiter über Leben auf dem Titan spekuliert werden.

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