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ILA 2010

Hartmut Sänger
19.6.2010

Die ILA 2010 zeichnete sich besonders in den ersten Tagen durch große Hitze aus. Wieder einmal heftig gestiegene Standgebühren schienen hauptsächlich zu Lasten der Raumfahrt gegangen zu sein und überhaupt - Wo war die Raumfahrt?

Der eher etwas antiseptische Raumfahrtpavillon der ESA und des DLR war selbstverständlich sehr ordentlich gemacht, reichte aber nicht wirklich aus um Emotionen zu wecken. Wo waren die Raumfahrthardware, die Ingenieurmodelle, die Raketen und Raumfahrzeuge? Für die Russen ist es zu teuer geworden und der Rest der Welt sah wohl keinen Handlungsbedarf eigene Leistungen oder Visionen zu präsentieren. Die Wichtigen der Raumfahrt waren dabei durchaus in Berlin. Sie waren aber in Nebenschauplätzen wie Kolloquien, Konferenzen und Empfängen engagiert.

Ein ausführliches Gespräch mit dem ehemaligen NASA Direktor Mike Griffin erklärte ein wenig die Situation. Er war zwar nicht bereit über einzelne Punkte zu diskutieren, beschrieb aber ausführlich seinen Kenntnisstand. Das Wichtigste ist wohl, dass die USA derzeit kein Raumfahrtprogramm haben und dass das hauptsächlich an der mangelnden Bereitschaft liegt dafür Geld auszugeben. Etwas überraschend kam schließlich aber seine Erklärung, dass es kein Constellationprogramm gebraucht hätte, wenn denn die USA das Shuttle kontinuierlich weiter entwickelt hätten. Das ausführliche Interview wird in der nächsten Raumfahrt Concret zu lesen sein.

So bleibt schließlich nur die Frage, ob bis Le Bourget nächstes Jahr die Nägel wieder Köpfe bekommen?
Kommentare
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hesaenger schreibt (19.6.2010):

Sagen wir es so. Es gibt derzeit eine menge Leute die über die Zukunft der US Raumfahrt mitdiskutieren. Wenn sie alle so viel wissen, warum hat man all die Jahre mit einigem Geld so wenig erreicht? Derzeit möchte Obama noch mehr Geld aus dem genehmigten NASA Budget in Jobmaßnahmen umleiten. Ob das der richtige Weg ist? Was ist für Obama überhaupt der richtige Weg?  

Jürgen Herholz schreibt (19.6.2010):

noch etwas zum Griffin Interview: aus seiner Sicht wurde das Constellation Programm von der Obama Administration aus politischen, nicht technischen oder programmatischen Gründen abgebrochen mit einer recht brachialen politischen Methode: erst wurde das NASA Budget reduziert, dann das Augustine Kommittee beauftragt, die Realisierbarkeit des Constellation Programms zu untersuchen mit dem naheliegenden Ergebnis, dass die Mittel nicht reichten, dann das Constellation Programm annuliert, und anschließend -das NASA Budget wieder erhöht!  

hesaenger schreibt (19.6.2010):

P.S.

Um es noch einmal sehr deutlich zu sagen. Es gibt eine menge Leute mit Halbwissen im Raumtransport, die aus der Einstellung der Shuttleflüge ein Scheitern wieder verwendbarer Systeme ableiten. Diese sollten einfach ihre Hausaufgaben machen. Es gibt inzwischen genug Erfahrung um zu entscheiden mit welchem System man am besten wie oft wohin fliegt. Wenn man weiß was man überhaupt will und wenn man sich nicht daran hält, wird es einfach etwas teurer und vielleicht auch gefährlicher.
 
 

Jürgen Herholz schreibt (19.6.2010):

auch an dieser Stelle wurde ja in einem früheren Artikel die Meinung vertreten, dass man das Shuttle hätte weiterentwickeln sollen mit konkreten Beispielen, anstatt immer wieder etwas Neues zu erfinden, sei es technischer oder programmatischer Natur. Das Constellation Programm hat ja wenigstens Teile des Shuttle Programms übernehmen wollen. Das war wenigstens ein Schritt in die richtige Richtung im Gegensatz zu dem jetzigen Zustand, wo ohne konkrete Zielsetzung 10 Jahre lang pro Jahr 10 Mrd. Dollar ausgegeben werden sollen, z.T. für reichlich vage Technologien  

Jürgen Herholz schreibt (19.6.2010):

Ich hatte Gelegenheit, an dem Interview mit dem vorherigen NASA Direktor Mike Griffin teilzunehmen. Mike Griffin ist mit Robert Zubrin befreundet, dem Präsidenten der Mars Society, und hat das Constellation Programm ins Leben gerufen. Ich hatte Gelegenheit, ihm ein paar Fragen zu bemannten Marsmissionen zu stellen. Dabei kam heraus, das Griffin das Mars Direkt Konzept von Zubrin NICHT für realisierbar hält, sehr wohl aber dessen konkrete technische Vorschläge für die Erzeugung von Ressourcen für den Menschen und den Raketenantrieb auf dem Mars. Aus Griffins Sicht ist also das Konzept "zum Mars über den Mond" das richtige im Gegensatz zu Zubrin und auch der von uns in Artikeln ausgedrückten Meinung. Griffin hat jetzt eine Professur, ist im Gegensatz zu dem jetzigen von Obama benannten NASA Direktor ein "alter Raumfahrt-Hase" und bevorzugt klare Aussagen. Er tritt auch regelmäßig auf den Mars Society Kongressen in den USA auf, auch wieder dieses Jahr in Dayton.  

hesaenger schreibt (19.6.2010):

Naja, wie Dordain ist Griffin Raumfahrtingenieur mit guter Ausbildung und Übersicht. Wie weit das im politischen Dschungel hilft ist eine andere Frage. Die Sentenz war einfach die, dass wenn die USA ein gutes Raumtransportsystem hätten, bräuchten sie kein neues zu entwickeln. Constellation ist für Griffin die derzeit mögliche Optimierung von Zeit und Kosten. Ein wiederverwendbares System bräuchte mehr Geld und Zeit zur Entwicklung. Das Shuttle in seiner ursprünglichen Form hat aber ausgedient. Ich habe noch im Ohr, wie mir von Braun predigte, dass das Shuttle ein Kompromiss sei um erst einmal überhaupt fliegen zu können. Dass man dann aber weiter entwickeln müsse, die Komponenten umstellen und weiter entwickeln müsse. Naja, jetzt braucht die NASA fast alles Geld zum Abwickeln und welcher europäische Politiker ist wohl bereit die Raumfahrt ernst zu nehmen, wenn schon in den USA nichts passiert. Dordain ist nicht zu beneiden!  

Peter.Jansen schreibt (19.6.2010):

Zitat: "Etwas überraschend kam schließlich aber seine Erklärung, dass es kein Constellationprogramm gebraucht hätte, wenn denn die USA das Shuttle kontinuierlich weiter entwickelt hätten"

Interessante Aussage. Das interessiert mich. 
 

Nicolay Kübler schreibt (19.6.2010):

Ich fand auch, dass die ILA 2010 eher eine Luftfahrtaustellung war als eine Luft- UND Raumfahrtaustellung. Eine Halle von 14. Und international wars auch nicht so ganz, eher europäisch.
Hoffen wir mal dass sich das wieder ändert.
 
 

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Wir danken Andrei Hodorog für die Erstellung der Internet Seiten!
 
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