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Mond und Mars-Programm: Senat und Kongress kämpfen um Kompromiss

Die Orion-Kapsel im Anflug auf die ISS. Beide Programme sollen verlängert werden. Bild NASA
Die Orion-Kapsel im Anflug auf die ISS. Beide Programme sollen verlängert werden. Bild NASA
Peter Jansen
18.7.2010

„Constellation ist tot, es lebe das Constellation Programm“, so könnte man den Kompromiss resümieren, den der Handelsausschuss des US-Senats am vergangenen Donnerstag beschlossen hat. Konkret fordert der von Senatoren beider großer Parteien eingebrachte Gesetzentwurf die beschleunigte Entwicklung einer Schwerlastrakete, die Fortsetzung des Orion-Programms zum Bau einer bemannten Kapsel für Einsätze im tiefen Weltraum, die Verlängerung des Shuttle-Programms um ein Jahr, sowie die Verlängerung des Einsatzes der Internationalen Weltraumstation ISS bis zum Jahr 2020.

Dies soll gegenfinanziert werden mit der bereits von Obama beschlossenen Erhöhung des NASA-Etats um sechs Milliarden Dollar und vor allem mit einer Halbierung der Gelder für private Transportdienstleistungen im Rahmen des COTS-Programms.

Der ursprünglich von Obamas Amtsvorgänger Bush eingebrachte Plan sah den Bau der Schwerlastrakete Ares V ab dem Jahr 2018 vor. Bis dahin sollten nur begleitende Vorarbeiten statt finden, da sich die NASA bis dahin vor allem um die Entwicklung der kleineren ARES I-Rakete kümmern sollte. Obamas im Februar verkündete Streichung des Constellation Programms (wir berichteten) sah den Beginn der Arbeiten zu einer neuen Schwerlastrakete für das Jahr 2015 vor. Nach dem nun vorliegenden Gesetzentwurf, der die Handschrift von Obamas Parteifreund Senator Bill Nelson trägt, soll mit dem Design der Rakete nun bereits im nächsten Jahre begonnen werden. Die Rakete soll eine Nutzlast von nicht weniger als 130 Tonnen haben. Zum Vergleich: Die Saturn V, mit der Astronauten im Jahr 1969 den Mond erreichten, hatte eine Kapazität von etwa 100 Tonnen. Die Ares V hätte eine Kapazität von mehr als 180 Tonnen gehabt. Für den Bau der neuen Rakete soll das gesammelte Shuttle- und Constellation-Know How herangezogen werden.

Ein unausgesprochenes Ziel dabei ist es, den drohenden Verlust tausender hochqualifizierter Arbeitspätze im Shuttle-Bereich abzufedern. Die im Shuttle-Programm beschäftigten Arbeiter könnten nach diesen Plänen ohne jahrelange Pause direkt vom um ein Jahr verlängerten Shuttle-Programm in das neue Schwerlast-Programm überwechseln. Außerdem dürften die wegen der Streichung des Constellation-Programms vorgesehenen Closing Costs erheblich geringer ausfallen, wenn ein großer Teil des Programms im neuen Gewand weiter existiert. Allein die Konventionalstrafen, die die NASA für die Streichung von Ares und Orion zu zahlen hat, sind Milliardenbeträge.

Der im Handelsausschluss beschlossene Plan ist noch kein Gesetz, sondern nur ein Gesetzentwurf. Damit daraus ein Gesetz wird, muss nicht nur der gesamte US-Kongress ihm zustimmen – und nicht nur der federführende Handelsausschuss. Auch der Präsident muss das Gesetz gegenzeichnen. In diesem Konflikt haben also beide Seiten ein Interesse, sich auf einander zuzubewegen. Rein rechtlich untersteht die NASA als Regierungsbehörde dem Präsidenten. Allerdings muss der Kongress die Gelder der Behörde bewilligen, und es gibt noch eine Waffe im Arsenal des Senators Bill Nelson: Laut Gesetz hat der Präsident gar nicht das Recht, ohne Zustimmung des Kongresses Constellation zu beenden. Da der Kongress bislang nicht zugestimmt hat, besteht Constellation bis heute fort. Auch die Forschungs- und Entwicklungsarbeiten werden bislang in vielen Bereichen fortgesetzt, obwohl das Projekt im Februar vom Präsidenten eingestellt wurde. Das Präsidentenamt hat jedenfalls schon vorsichtige Unterstützung für die Senatoren signalisiert: Der Gesetzentwurf unterstütze wichtige Aspekte des Haushaltsplans des Präsidenten, ließ die Administration verlauten.
Wie wird also der Kompromiss aussehen? Wird es ein Constellation Programm ohne ARES I sein?

Kommentare
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Frank Simon schreibt (21.8.2010):

Letztes Wochenende war die SETIcon 2010 in Santa Clara, Kalifornien. Veranstaltet vom SETI Institute, tragen sich Mitglieder von SETI, dem Carl Sagan Center, der NASA, Wissenschaftler, aber auch Science Fiction Autoren und Lehrer um sich ueber Themen rund um SETI zu informieren. Astronomie, Suche nach ausserirdischen Leben, Flug zum Mars war da Thema.

Ich fand den Congress sehr interessant und habe in meinen Online Blog angefangen darueber geschrieben. Insgesamt sind es vier Artikel geworden.

Darunter auch eine Zusammenfassung des Panels über eine Marsmision:

http://www.siliconvalleyblog.de/blog/2010/08/20/seticon-2010-teil-4-wo-bitte-geht-es-hier-zum-mars/

Ob die Idee, dass man eine One-Way-Mission mit älteren Menschen durchführen sollte, ist wohl nicht durchsetzbar. Obwohl ich kein Zweifel habe, dass genügend erfahrene Techniker und Wissenschaftler sich für sowas melden würden.

Gruesse

Frank Simon
 
 

Ralf L.K. schreibt (19.7.2010):

Eine Großrakete ist nötig da man ja zum Mars irgendwann möchte. Wobei die Saturn V bei Betrachtung der Evolution F1A und J2-S Triebwerke im Prinzip auch ein 140 to LEO Design gewesen wäre.
Bei Orion ist aus der Atlas V Reihe doch genug Kapazität vorhanden und auch die Sicherheit ist vs. Ares I nur marginal reduziert.
Auch bei Projekt Apollo war etwas Zeitdruck und Beschränkung auf wenige Designs ein Erfolgsrezept.
Und ein Marsflugmodul das erste Einsätze bei der ISS nach 2020 hätte wäre für das Mars-Projekt ebenso vorteilhaft. Man sollte Menschen nur jahrelang ausgereifter Technik in Richtung Mars schicken.  
 

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