EMC16 in Bergamo-früheres Leben auf dem Mars ist unwahrscheinlich aber nicht unmöglich

Die EMC16 in Bergamo bot eine Reihe äußerst interessanter Vorträge. Einer der bemerkenswertesten war der wissenschaftliche Vortrag von Pierre Brisson, dem Präsidenten der Schweizer Mars Society, der sich mit der Wahrscheinlichkeit früheren Lebens auf dem Mars auseinandersetzte. Dabei ging er von den derzeitigen Erkenntnissen über die Entwicklung von Leben auf der Erde aus und verglich die Bedingungen auf der Erde, die diese Entwicklung ermöglichten mit den Bedingungen auf dem Mars. Aufgrund der Ergebnisse gelangte er zu der Schlussfolgerung, dass selbst das Entstehen primitiver Lebensformen auf dem Mars in ferner Vergangenheit unwahrscheinlich ist -aber nicht vollständig ausgeschlossen.

Der Mars ist heute absolut lebensfeindlich. Aus den umfangreichen wissenschaftlichen Auswertungen von Bodenproben von der Marsoberfläche kann mit hoher Wahrscheinlichkeit geschlossen werden, dass es auf der Marsoberfläche kein Leben gibt, und dass es wohl auch nie hochentwickeltes oder intelligentes Leben auf dem Mars gab. Warum ist das so? Ein Vergleich zur Erde erklärt es.

Wie entstand Leben auf der Erde?
Nach neusten Erkenntnissen entwickelte sich das Leben auf der Erde möglicherweise in seiner Urform in den „Schwarzen Rauchern“ tief unter der Meeresoberfläche aufgrund vulkanischer Erwärmung des Meerwassers. Da sie durch vulkanische Aktivität entstehen sind sie mit Mineralien, insbesondere Schwefel angereichert, die die Entwicklung erster primitiver Lebensformen ermöglichen. Solche Schwarzen Raucher gibt es bis heute in mehr als 3000 m Tiefe im Atlantik.

Dass nur Schwarze Raucher entstehen und keine Eruption wie bei Vulkanen auf der Erdoberfläche liegt sicher auch an dem hohen Druck -300 atü in 3000 m Tiefe-, der vom Ozean auf den Meeresboden ausgeübt wird, der dadurch dem Druck der Lava aus dem Erdinneren standhält und Eruptionen verhindert.

Die in den Schwarzen Rauchern entstandene Urform des Lebens bestand höchstwahrscheinlich nur aus winzigen Mikroben, die nur sehr schwer nachzuweisen sind. Es waren wahrscheinlich mehr als eine Milliarde Jahre erforderlich, um aus diesen Mikroben die ersten Lebensformen entstehen zu lassen, und weitere Milliarden von Jahren hin zu der Entwicklung der heutigen Artenvielfalt auf der Erde. Hochentwickeltes Leben mit Meeresbewohnern und Säugetieren setzt aber mehr voraus als Schwarze Raucher und genügend Zeit zur Weiterentwicklung primitiver Mikroben:

  • Das Vorhandensein von Ozeanen mit Meeresufern
  • Gezeiten und damit das Vorhandenseins unseren Mondes
  • Günstige klimatische Bedingungen in optimaler Entfernung zur Sonne
  • Vulkane, die auf der Erde zu Entstehung von neuem Leben beigetragen haben. Lavaboden bietet eine ideale Grundlage für die Entstehung pflanzlichen Lebens
  • Meteoriteneinschläge, die zur Erneuerung des Lebens beigetragen haben: wenn die Dinosaurier nicht ausgestorben wären aufgrund einer weltweiten Meteoritenkatastrophe, gäbe es möglicherweise heute keine Menschen!
  • Eine relativ dichte Erdatmosphäre, die es verhindert dass die Vielzahl kleinerer Meteoriten die Erdoberfläche treffen und verwüsten
  • Ein Erdmagnetfeld, das die Erde weitgehend vor schädlicher Strahlung aus dem Weltraum schützt

Entstehung von Leben auf dem Mars?
Auf dem Mars bestanden möglicherweise vor etwas 3 Milliarden Jahren -früher als auf der Erde- Voraussetzungen für die Entstehung von Leben ähnlich denen auf der Erde, da der Mars wie die Erde einen flüssigen Kern, Vulkane und Meere besaß und damit auch das Potential für „Schwarze Raucher„, sodass möglicherweise erste Lebensformen entstehen konnten wie auf der Erde und unter vergleichbaren Bedingungen. Diese Lebensformen wären aber so winzig klein, dass sie nicht mehr nachweisbar wären. Es fehlten jedoch wichtige auf der Erde vorhandene Voraussetzungen für die Entstehung weiter entwickelten Lebens. Auf diese Unterschiede ging Pierre Brisson anhand relevanter wissenschaftlicher Forschungsergebnisse ein und kam zu dem Schluss, dass auf dem Mars im Vergleich zur Erde wohl kaum höher entwickeltes Leben entstehen konnte:

  • Der Mars ist zu klein im Vergleich zur Erde, kühlte daher zu schnell ab für die Entwicklung höher entwickelten Lebens, und verlor aufgrund seiner zu geringen Schwerkraft sein gesamtes Oberflächenwasser und auch eine etwaige Atmosphäre in den Weltraum
  • Die klimatischen Voraussetzungen sind nicht gegeben: der Mars ist weiter von der Sonne entfernt als die Erde und liegt damit dicht am Rand des „bewohnbaren Bereichs“ (habitable zone“) unseren Sonnensystems und ist damit signifikant kälter
  • Das Fehlen einer Atmosphäre erlaubte den fast ungebremsten zerstörerischen Einschlag von Metoriten auf dem Mars
  • Die tödliche Weltraumstrahlung trifft fast vollständig die Marsoberfläche
  • Vulkanische Aktivitäten haben auf dem Mars aufgrund der Abkühlung des Mars relativ früh aufgehört

Etwaiges Leben wäre nur unter der Marsoberfläche, geschützt von der tödlichen Weltraumstrahlung, unterhalb von etwa 3 m Tiefe zu finden. Deshalb soll ja der für 2020 geplante Marsroboter Bodenproben aus Tiefen unterhalb von 3 m untersuchen. Dabei ist besonders das Vorhandensein von Methan von Interesse. Das  könnte als Zeichen von aktivem Leben gedeutet werden. Von Satelliten aus und von Marsrobotern wurden bereits geringe Vorkommen von Methan gemessen. Methan könnte auch in die hohe Marsatmosphäre gelangt sein und sich dort konzentriert haben. Deshalb werden zum Beispiel jetzt mit dem ExoMars Orbiter, der die obere Marsatmosphäre durchfliegt, solche Messungen vorgenommen. Methan kann sich aber auch aufgrund rein chemischer Reaktionen entwickeln, die Wahrscheinlichkeit dass Methan durch lebende Organismen erzeugt wurde beträgt deshalb nur etwa 20%.

Faszinierend ist die Vorstellung, dass erste primitive Lebensformen auf dem Mars entstanden sein könnten zu einer Zeit, als die Erde noch „wüst und leer“ war, die dann vom Mars auf die Erde gelangt sein könnten und dort als „Initialzünder“ für Leben auf der Erde gedient haben. Das wäre ein Nachweis dafür, dass sich Leben im Universum ausbreiten kann -eine wissenschaftliche Sensation, wenn es so wäre.

Fazit: es erscheint unwahrscheinlich aber nicht völlig ausgeschlossen, dass es vor Milliarden von Jahren einmal erste primitive Lebensformen auf dem Mars gab. Da die Entwicklung von Leben auf dem Mars aufgrund des schnelleren Abkühlung wegen seiner geringeren Masse früher begonnen hätte, wäre es dann auch möglich, dass auf diese Art das Leben vom Mars zur Erde gelangt ist.

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