ESA Astronaut verlor im Juli 2013 fast sein Leben während eines Weltraumausflugs auf der ISS

Am 16 Juli 2013 berichtete ESA über ein „frühes Ende“ (early end) eines Weltraumausflugs des ESA Astronauten Luca Parmitano.

Tatsächlich war das ein Euphemismus: Luca Parmitano entkam nur knapp dem Ertrinken aufgrund von Wasser, das seinen Helm flutete. Der von der NASA hierfür speziell eingesetzte Untersuchungsausschuss stellte als Gründe hierfür gravierende Fehler in der Erkennung der Ursachen und ihrer Beseitigung fest –ein ähnliches weniger gravierendes Vorkommnis war bereits zuvor aufgetreten und falsch interpretiert worden. Ohne weitere detaillierte Analysen abzuwarten wurde grünes Licht für weitere ISS-Außeneinsätze  gegeben.

Das ist die Schlussfolgerung aus einem am 26. Februar veröffentlichten Bericht des hierfür speziell eingerichteten NASA Untersuchungsausschusses (Investigation Board). Der vollständige Bericht kann hier eingesehen werden.

Der Ausschuss bemängelte aber nicht nur die falsche Analyse und Unterschätzung eines ähnlichen Zwischenfalls bei einem früheren Außeneinsatz, sondern auch die offensichtliche Risikobereitschaft aller Beteiligten angesichts des Erfolgsdrucks, unter dem offenbar gehandelt wird, um Verzögerungen und zusätzliche Kosten zu vermeiden.

Alles das ist ein sehr beunruhigendes „déjà vu“ in der Geschichte von Shuttle und ISS. Bereits die beiden Katastrophen der Shuttle Orbiter Challenger und Columbia konnten zumindest teilweise auf den Erfolgs-, Termin- und Kostendruck und die daraus resultierende Missachtung bzw. Unterschätzung von zuvor aufgetretenen Problemen zurückgeführt werden.

Im Fall des Außeneinsatzes von Luca Parmitano hätte die bereits während eines vorherigen Außeneinsatz in einem Helm beobachtete geringe Wassermenge zu einer detaillierten Fehleranalyse führen müssen, und alle weiteren Weltraumausflüge hätten suspendiert werden müssen bis zu einer vollkommenen Aufklärung und Fehlerbeseitigung. Das ist nun  nach dem beinahe tödlichen Außeneinsatz von Luca Parmitano geschehen.

Die Brisanz der Ergebnisse des Untersuchungsausschusses erkennt man an der hohen Anzahl von 49 (!) Empfehlungen zur Beseitigung der Fehlerursache.

Es ist immerhin bemerkenswert, dass heutzutage solche weitgehend ungeschminkten Berichte veröffentlicht werden.

Diese Beinahe-Katastrophe führt aber vor allem vor Augen, dass die bemannte Raumfahrt mit hohen Risiken verbunden ist und immer bleiben wird angesichts der lebensfeindlichen Bedingungen im Weltraum und dem enormen technischen Aufwand für bemannte Missionen und den Aufenthalt von Menschen im Weltraum. Für bemannte Missionen zum Mars muss dieser Aufwand noch einmal wesentlich erhöht werden wegen der langen Missionsdauer und der begrenzten Eingriffsmöglichkeiten von der Erde aus.

Besonders fällt auf, dass die Routine, die sich bei lange andauernden Missionen wie der der ISS einstellt, der größte Feind der Sicherheit der Mannschaft ist! Ein zutiefst menschliches Problem!

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