Kein Konsens über den zukünftigen europäischen Träger.

Als ESA Generaldirektor J. J. Dordain im Frühsommer verkündete, dass sich die ESA Mitglieder auf einen Ariane 5 Nachfolger geeinigt hätten, herrschte mancherorts Erstaunen, da der auf der letzten Ministerratskonferenz beschlossene Fahrplan anders aussah. Hiernach sollten nämlich die Randbedingungen noch näher untersucht werden. Tatsächlich ist man sich inzwischen wenigstens in Deutschland einig, dass kein Konsens besteht und man erst einmal die Ariane 5-Entwicklung weiter verfolgen will.

Worum geht es ?

Als Ariane 5 vor gut 20 Jahren beschlossen wurde, sollte sie der wirtschaftlichste und zukunftstauglichste Träger auf dem Weltmarkt werden. Heute ist sie auf die Tonne Nutzlast bezogen die teuerste Rakete mit Ausnahme einiger Kleinträger wie Vega oder Epsilon. Die gerühmte Doppel- und Dreifachstartfähigkeit kostet die Satellitenbetreiber viel Geld, da Termine oft nicht eingehalten werden können und so manche Satelliten viele Monate auf ihren Start warten müssen. Aber auch die Feststoffbooster verteuern den Einsatz. Da ein fast ausgebrannter Booster zu heftigen niederfrequenten Schwingungen neigt, erfordert das bei den Nutzlasten verstärkte Vorsorge und somit teure Tests und entsprechende konstruktive Maßnahmen. Die Feststoffbooster sorgen aber noch für weitere Probleme. Entlang der Aufstiegsbahn hinterlassen sie viele hundert Tonnen Salzsäure und Aluminiumoxyde. Kann das für einen nichtmilitärischen Träger wirklich die Zukunft sein?

vorgeschlagener Ariane 5 Nachfolger Ariane 6

Der interessanteste Aspekt der Ariane 5 ist der, dass es sie gibt und dass sie eine große Nutzlastkapazität hat. So könnte sie potentiell auch bemannte Fahrzeuge befördern. Leider scheint es dazu aber in Westeuropa keinerlei Ambitionen mehr zu geben.

Es ist also naheliegend, dass man an einen Nachfolger denkt. Der französische Vorschlag bleibt dabei aber leider recht konventionell und eher auf die eigenen Ressourcen fokussiert. Man plant wieder mit Feststoffboostern im Maßstab großer Interkontinentalraketen und lässt jegliche Modularität beiseite. Wenn die Entwicklung also größere oder kleinere Nutzlasten bevorzugen würde, müsste man wieder von vorne anfangen. Dazu werden die jetzt als wesentlichstes Argument vorgetragenen künftigen Startkosten schnell relativiert, wenn man sie z.B. mit Space X vergleicht, fliegen deren Raketen heute schon günstiger. Auf das Kilo Nutzlast umgerechnet wird der Fortschritt selbst gegenüber der Ariane 5 zu gering.

Wie könnte dann aber die Zukunft aussehen?

Das Rezept von Space X ist konventionellste Technik, gepaart mit rationeller, industrieller Fertigung. Man darf dabei aber auch nicht vergessen, dass Space X großzügig von der NASA unterstützt wird, um das Schlagwort von der neuen Raumfahrt nicht scheitern zu lassen. Kann das ein Vorbild für Europa werden? Haben wir eine Raumfahrtagentur, die sich solche, dann notwendigerweise auf einen Standort konzentrierte Subventionen leisten kann? Hat die Industrie überhaupt die Möglichkeiten im europäischen Regel- und Vorschriftenwerk konsequent die Kosten zu optimieren?

Vorerst heißt „kein Konsens“, dass es überhaupt keinen künftigen, wettbewerbsfähigen, westeuropäischen Träger geben wird, da Deutschland diesen bestimmt nicht alleine stemmen wollte. Was bleibt also? Günstig auf dem Weltmarkt einzukaufen oder aber technologisch gemeinsam zu optimieren? Der logische Schritt sind wiederverwendbare Raumtransportfahrzeuge. Alleine mit dem Schlagwort ist es nicht getan und trotz gut 50 Jahren mehr oder weniger intensivem Nachdenkens ist man sich über die Details noch lange nicht einig. Ist es wirklich so schwierig oder liegt es vielleicht eher an den unterschiedlichen Interessen? Der politische Tagtraum, dass das Geld wieder mehr wird, scheint kaum zu verwirklichen zu sein. Also liegt es an der Raumfahrt selbst, konsequent die eigene Zukunft zu planen. Kann das aber auf westeuropäischer Seite bis zur nächsten Ministerratskonferenz schon gelingen?

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